Kein Grab ist stumm

 

Sektionen | Register | Suchen

 

<<< | >>>

 

 

 

Erheiterungen am häuslichen Herd (1866)

Unser Holzschnitt auf S. 45 aber, welcher die Sammlung der getreuen Bauern unter dem Schmiedbalthes darstellt, ist nach einem Gemälde eines höchst talentvollen jungen Malers in München, des Herrn Philipp Sporrer, entworfen. Dieses Bild hat durch die geistvolle und lebendige Gruppirung, die seine Individualisirung der Köpfe, die Richtigkeit der Zeichnung und das vortreffliche Kolorit sich auf allen Ausstellungen die allgemeinste und verdienteste Anerkennung erworben, und bekundet ein ebenso entschiedenes als ergiebiges Talent seines Urhebers.

Herr Sporrer ist ein Künstler auf welchen die Münchener Schule stolz seyn darf, denn ihm steht unbedingt noch eine bedeutende künstlerische Laufbahn bevor. Er ist, wie Schraudolph und viele andere, vorzugsweise Autodidakt und ein Kind des Volks, der dem angebornen Talent und seinem eisernen Fleiße und unermüdlichen Streben seinen Haupterfolg verdankt.

Geboren 1829 zu Murnau in Oberbayern, am Fuße des bayrischen Gebirgs, kam er mit 12 Jahren nach München, um die dortige Gewerb- und polytechnische Schule zu besuchen, studirte dann später an der Akademie, erhielt aber daselbst in künstlerischer Beziehung nur eine dürftige Ausbildung, die er später durch die emsigste eigene Fortbildung ergänzen und vervollständigen konnte. Eine bescheidene, liebenswürdige, gemüthvolle Persönlichkeit, mit Leib und Seele an seiner Kunst haltend, ist Sporrer einer der liebenswürdigsten und vielversprechendsten Künstler des heutigen Münchener Malerkreises, und verdient mehr als Dutzende von Anderen die Unterstützung eines fürstlichen oder reichen Mäcens, um sein Schaffen vorzugsweise der Verherrlichung volksthümlicher Stoffe aus der Geschichte seines engern Vaterlandes zu widmen. Wir wollen hoffen, daß diese verdiente Erwähnung des ebenso tüchtigen als bescheidenen Künstlers dazu beitragen wird, die Beachtung der Kunstfreunde auf seine durchdachten und gediegenen Schöpfungen zu lenken.

Erheiterungen am häuslichen Herd. Illustrirtes Familienblatt. Zweites Heft. Stuttgart, 1866.

 

 

 

<<< | >>>

 

Sektionen | Register | Suchen

 

ISSN 2367 - 3907

© Reiner Kaltenegger. 2007 - 2017.