Kein Grab ist stumm

 

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Münchener Bote für Stadt und Land (1859)

Die gerechten Wünsche auf Verbannung französischer Industrie, die als berechtigte Stimmung des Zeitgeistes in öffentlichen Blättern verlautbaren, werden um so weniger auf unfruchtbaren Boden fallen, als von unserer einheimischen, in dieser kritischen Zeit nicht wenig gefährdeten Industrie schon jetzt mancher Nothruf ertönt und wohl in nächster Zukunft noch lauter sich vernehmbar machen wird. Wir haben in München bei unseren Gewerbsausstellungen tausendfache Beweise gesehen, daß die Leistungen gar vieler Meister mit fremdländischen Produkten in die Schranken treten können. Glücklicher Weise kommt diese Ansicht auch in höheren Kreisen immer mehr zur allgemeinen Geltung und es ist doppelt erfreulich, wenn von den höchsten Regionen, und zumal in jetziger Zeit das Beispiel der Berücksichtigung des einheimischen Gewerbfleißes gegeben wird. So ließ Se. k. H. Prinz Karl von Bayern bei dem hiesigen Silberarbeiter Hrn. Eduard Wollenweber zwei (4 Fuß 10 Zoll hohe) silberne Candelaber fertigen, die von getriebener Arbeit (nach einer Zeichnung des trefflichen Künstlers Hoff) in Bezug auf Geschmack der Form und Gediegenheit der Ausführung als Meisterwerke von jedem Beschauer gegenwärtig bewundert werden. I. k. H. die Frau Herzogin Max hat ebenfalls bei Hrn. E. Wollenweber ein überaus reiches Pathengeschenk für die neugeborene Prinzessin von Thurn u. Taxis anfertigen lassen, welches, in einem reichen Silberservice für jeglichen Kinderbedarf bestehend, als wahrhafte Musterleistung im Gebiete der Silberarbeiter-Kunst zu betrachten ist, jedoch morgen schon an seinen Bestimmungsort abgeht.

Münchener Bote für Stadt und Land No. 134. Sonntag, 5. Juni 1859.

 

 

 

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ISSN 2367 - 3907

© Reiner Kaltenegger. 2007 - 2017.