Kein Grab ist stumm

 

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Der Spiegel für Kunst, Eleganz und Mode (1843)

Musik. Das Vokal- und Instrumentalkonzert, welches Hr. Alb. Wilkoszewski, erster Orchesterdirektor und Solospieler des Pesther deutschen Theaters, am 17. d. M. veranstaltete, versammelte im Redoutensaale die Elite des hiesigen Publikums in zahlreicher Menge. Der Konzertgeber spielte drei Mal; zuerst österreichische Lieder mit Variationen für die Violine, komponirt von Molique, dann eine Romanze von Beethoven, mit Orchesterbegleitung, und zum Schlusse Bravourvariationen in G-dur von C. Lipinski. Wenn viele der jezt lebenden, zumal Violinvirtuosen sich ausschließend nur zu Tendenzen der älteren Schule bekennen, und allen Neuerungen im Gebiete der Kunst den Krieg erklären - während wieder andere Künstler nur für Dasjenige Begeisterung fühlen, was man, als Gegensaz zum Klassischen, das Romantische nennt; so scheint Hr. Wilkoszewski keiner dieser beiden extravaganten Richtungen folgen zu wollen, und sein daher gewiß lobenswerthes Bestreben zielt vielmehr dahin, das Gediegene mit dem Modernen zu vereinigen. Die Richtigkeit dieser Ansicht bekräftigte der Konzertgeber, sowohl durch die Piecen, als auch durch Spiel und Vortrag derselben. Schön und geschmakvoll war die Ausführung der seelenvollen, herzbewegenden Romanze Beethovens, rein und genau das brillante Spiel bei den schnelleren Tempi's der Lipinskischen Bravourvariationen, in welchen der Künstler mit Ruhe u. Gelassenheit spielte u. die schwierigsten Formen mit anscheinender Leichtigkeit zu beherrschen wußte. Mehrmaliges Hervorrufen lohnte Hrn. Wilkoszewski für sein wakeres Streben.

von Adlerstein.

Von Adlerstein: Der Spiegel für Kunst, Eleganz und Mode 101. Pesth und Ofen, Mittwoch, 19. Dezember 1843.

 

 

 

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ISSN 2367 - 3907

© Reiner Kaltenegger. 2007 - 2017.